Nicht nur Richtfest im DreiEckenKreis

Samstagabend neben dem Enno geht es Schlag auf Schlag. Unter Leitung von Krebs brilliert ein mehrstimmiger Chor mit der Neuinterpretation des bündischen Klassikers „Tanzen die Dohlen“. 3,50 Meter über den sechs Sängern reimt Zimmermann Olli einen Richtspruch und schleudert aus einer eleganten Balkenkonstruktion das glücksbringende Schnapsglas aufs Fundament. Wie es der uralte Ritus will, tritt nun der Bauherr, Burgvogt Selmar, zu seinen Füßen und nimmt ihm das Holzskelett unter dem Beifall des bewegten Publikums ab. Was da an nur einem Tag als „Ludwigsteiner Backhaus“ gestellt wurde, ist nichts weniger, als die Fortsetzung der jugendbewegten Bautätigkeit im dritten Ring der Jugendburg Ludwigstein. Wie herausgeflossen aus der Dachneigung der Sommerküche des Enno-Narten-Baus verlängert sich nun der Ring bis auf die Zeltplatzkante.

Im Anschluß - Hunger! Aus duftenden Fleisch- und Gemüsepfannen, Couscous-Töpfen und Salatschüsseln werden nach und nach 80 Mägen gefüllt. Jim, Omo und Stephanie haben die Sommerküche in einen kulinarischen Tempel verwandelt. Später lösen sich duckende Gestalten im Schatten der Nachtfeuer aus den Singerunden, um auch die letzten Kuchenbleche auszuweiden.

Doch bis dahin fesselt sich das aus 14 Bünden stammende Volk auf Stühle. Zuerst wird die Auswahl eines sehr großen Bundes, Deutscher Fussballbund, auf grünem Fernsehrasen ins Halbfinale der Europameisterschaft gestöhnt. Dann lockt asiatisches Schattentheater in Schwarz und Weiß. In den wenigen Stunden ihrer Arbeitsgruppe übertragen Bianca, Yankee und Nan eine chinesische Parabel über die wahre Liebe in markante Figuren- und Landschaftsrisse. What a drama: Unweit des Turms Lei Fong plätschern Drachenboote auf dem See Si Hu. Der bitterböse Mönch Far Hai verwandelt zuerst die Frau Bai Njang Tse des Mannes Chü Chien in eine weiße Schlange. Er meuchelt darüber hinaus Chü Chien so mausetot, dass die weiße Schlange, alias Bai Njang Tse, Chü Chien nur mit Hilfe eines magischen Pilzes zur Wiederauferstehung verhelfen kann. Das böse Spiel Far Hais bleibt ungestraft.

Überhaupt sind es die kleinen Arbeitsgemeinschaften, die den Reiz im sommerlichen Tagesablauf des DreiEckenKreises ausmachen. Ob man Honig mit Anneh und Kafe schleudert, Papier schöpfen in Heiners Projektjurte lernt oder einen Artistik-Grundkurs bei Floyd absolviert - überall vertiefen sich Teilnehmer für Stunden in ein Gewerk oder eine Kunst. Daneben wird geklönt oder der Bauch voll Burgbergkirschen geschlagen. Zwei Aktivitäten widmen sich der überreichen Burggeschichte. Eine Führung zu den Schätzen im Archiv der deutschen Jugendbewegung wird mit einem Besuch im Gedenkraum und an der Paasche-Linde komplettiert. Gar alle 600 Burgjahre nimmt Sven Bindczek für seinen Fachvortrag „Geheimnisse des Burgturms“ in den Blick. Neben kompakten Fakten und witzigen Kuriositäten, ein Pfarrer namens Otto Falke war einst ins Angstloch vom Verlies gerutscht, war besonders bemerkenswert, dass allein die „Denkmalwirkung des Burgturms für die vaterländische Gesinnung“ den geplanten Abriss der Burg Mitte des 19. Jahrhunderts verhinderte.

Allerhand Eindrücke im Gepäck verabschiedet sich der Abschlusskreis am Sonntag mit dem Burglied in die Sehnsuchtswochen von Tippel und Großfahrt. Nachgemerkt: Dank an AnnKathrin und Hagen als Burgfreiwillige im Vorbereitungskreis! Vorgemerkt: DreiEckenKreis 2017 vom 9.-11. Juni!

Stephan Sommerfeld

Bildergalerie

HNA Artikel vom 4.7.2016

Ausschnitt des Liederworkshops

DreiEckenKreis 2015
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