3 x DreiEckenKreis

Im Wortspiel „DreiEckenKreis“ kam der „Drei“ in diesem Jahr eine erstmals schlüssige Bedeutung zu, denn die Veranstaltung auf der Jugendburg Ludwigstein fand zum dritten Mal statt. Das einstmals so populäre Ludwigsteiner Kischenfest, man traf sich jährlich zur Sommersonnenwende, war vor 5 bis 6 Jahren langsam eingeschlafen. Der Wunsch aber nach einem überbündischen Sommertermin mit Handwerk, Musik und Theater blieb, und so so nahmen Stiftung und Jugendbildungsstätte im Jahr 2015 das 600jährige Jubiläum der Burg zum Anlaß, erstmals in den DreiEckenkreis einzuladen. 130 Leute kamen, wir zeigten die Gründungsurkunde der Burg, ritterten mit dem Ludwigsteiner Hoftheater, werkelten in zahlreichen AGs, sättigten uns mit Chili con carne, probten mit Music for the kitchen und die Apfelsaftpresser schwitzten sich bei 34 Grad im Schatten ihr Innerstes nach Außen. Im Jahr darauf fanden sich 80 Bündische unter diesen Tagesmitmachperlen zusammen: Fachvortrag zum Turm, chinesisches Schattentheater, Papier schöpfen, Artistik, Honig schleudern und Fussball-EM-Halbfinale. Mit dem Lied „Tanzen die Dohlen“ weihten wir feierlich das mal eben errichtete Backhaus als Verlängerung des Dritten Rings der Jugendburg ein. Es mit einem Backofen auszustatten, gelang uns seitdem leider noch nicht.

Nun, am zweiten Juniwochenende 2017, stand dank vorbereitungsstarken Burgzivis, AG- Leitern, Referenten und Kochbrigaden erneut ein abwechslungsreiches Miteinander auf dem Programm, zu dem erstmals auch eine Einladung zum politischen Austausch gehörte. 100 DreiEckenKreisler schlugen am Burgberg auf, darunter VCP, Waldjugend, Kulturinitiative, Fahrtenbund Tirach, CPD, DPSG, Wandervogel Nifelgau, PSD, Fahrtenschaft Gralsritter, Mosaik, BdP, Jomsburger, Bauhüttenkreis, Nerother Wandervogel, Sternengreifer Wandervogel, Görsbacher Pfadfinder, FBS, Graue Reiter und allerlei Ludwigsteiner.

Schräge Vögel zieht die graue Burg mit ihren Unterstützeraufrufen ja immer wieder mal an und so galt das Kalenderblatt zur Morgenrunde dem Schrägsten. „Ich bin der Oberdada und werde fortan die Geschicke der Burg in meine Hand nehmen. Wo kann ich schlafen und wann wird hier gegessen?“ Mit diesen Worten hatte sich 1922 Johannes Baader furios an die Spitze der Ludwigsteiner gestellt und die Burg zum Mittelpunkt der Welt erklärt. Als der Oberdada ein paar Monate später zu neuer Mission aufbrach, hatte er den erschöpften Ludwigsteinern nicht weniger als ein abgesagtes Weltjugendtreffen, allerhand Schulden und auch noch sein leibliches Kind zurück gelassen.

Ein Schuss Ungewöhnlichkeit zeichnete auch vier der sich anschließenden Arbeitsgemeinschaften und Workshops aus. Erlernt wurde, sich selbst sein Duschgel herzustellen, bei sich zu Hause einzubrechen (unter dem harmlosen Titel „Selbsthilfe bei Schlüsselverlust“), sich nonverbal über Gebärdensprache zu verständigen und aus Resten Alltagspraktisches herzustellen. Parallel trafen AG-Klassiker wie Imkern, Schmieden, Buchbinden, Liederlernen und Archivführung auf soviel Lernbereite, wie das Kochen und Pizzabacken die Hungrigen anlockte.

Nachmittags stieß der Vortrag von Dr. Volker Weiß über die Identitäre Bewegung (IB) mit 65 Zuhörern auf großes Interesse. Unterlegt von einer Präsentation, die sich ausschließlich auf frei zugängliche Marketingprodukte der Identitären bezog, skizzierte Weiß die Methoden (Kriegserklärung), Ziele („ethnische Biodiversität“), Aktionen (defend europe), Vorbilder (Jünger, Moeller van den Bruck, Spengler) und Gegner (eher USA als Islam) dieser weltanschaulich rechten Strömung. Martin Sellner, Kopf der Identitären, sieht sich selbst als Rudi Dutschke von rechts. Diskutiert wurde im Anschluss, ob und wie eine Abgrenzung der Jugend- und Pfadfinderbewegung erfolgen soll. Volker Weiß verwies diesbezüglich auf seine eigenen Wurzeln in einer Karlsruher Wandervogelgruppe und deren damalige Abgrenzungsstrategie gegen aus ihrer Sicht völkisch-nationale Lieder und Gruppen. Dagegen wurde mit Bezug auf die grundgesetzliche Meinungsfreiheit argumentiert und das Jugendarbeit nicht mit Feindbildern arbeiten sollte. Darüber hinaus wurde gefragt, ob die Legitimation rechter, gewaltfreier Bewegungen nicht allein schon durch das Vorhanden- und Akzeptiertsein linker Bewegungen gegeben sei. Volker Weiß thematisierte daraufhin die rechtsextremen Herkünfte mehrerer Protagonisten der IB und skizzierte das rechtsextreme Potential in den USA (Alt-Right) und in Russland (Alexander Dugin).

Viele Gesprächs- und Singerunden später konnte tags drauf der Abschlusskreis auf ein bildungs- und begegnungsstarkes Wochenende zurück blicken. Nach eigensinnigen Worten von Hermann Hesse, beobachtet von einer Jungdohle, und mit dem Burglied im Ohr wurde die bündische Runde von Burgvogt Selmar schließlich in den Fahrtensommer verabschiedet und für den 22. Juni 2018 in den kommenden DreiEckenKeis geladen.

Neuer Termin
22.-24. Juni 2018

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