Auf der Spur der Wölfe

Unter dem Arbeitstitel „Tierische Kooperationen“ haben wir im Jahr 2019 vier etwas ungewöhnliche Bildungsveranstaltungen in das Programm unserer Jugendbildungsstätte gemischt. In Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark Frau-Holle-Land berichtet im März der Naturfotograf Gerhard Schuster über die Luchspopulation rund um den Hohen Meißner und in Kooperation mit dem Schäferverein Werra-Meißner-Kreis laden wir im April zu Pressekonferenz und Fachvortrag zum Thema „Herdenschutzhund“. Im Juni schließlich wird im Rahmen des jugendbündischen DreiEckenKreises unter dem Titel „Leb doch wie eine Termite!“ niemand Geringeres als Inox Kapell, der Gründer des Geheimbundes Mensch-Insekt, zur Insektenbotanisierung rund um den Ludwigstein einladen.

Zunächst aber hatten wir im Februar in Kooperation mit der Volkshochschule Werra- Meißner in den Enno-Narten-Saal auf die „Spur der Wölfe“ eingeladen. Das am Ende fast 60 Zuhörer den Weg auf die Burg fanden, lag sicher auch an der aktuellen Debattenpräsenz des Stammvaters aller Hunderassen. Einst von Jäger und Rotkäppchen mit Steinen bewehrt für immer im Brunnen versenkt, ist der Europäische Grauwolf wiederauferstanden und streift jagend und fressend durch die Fotofallen unserer Wälder und Lichtungen, sich von Sachsen elbabwärts ausbreitend. In Nordhessen sorgten zuletzt drei Rudelwölfe für Aufsehen, die im 50 km von der Burg entfernten Wildpark Knüll erfolgreich aus einem Schaugehege ausgebrochen waren.

Als Referent war der Natur- und Landschaftsführer Stephan Kaasche aus Hoyerswerda angereist, der Plattenbau-Stadt des DDR-Barden Gerhard Gundermann. In den tundraähnlichen Niemandsarealen der von Tagebau und Nationaler Volksarmee geprägten Lausitz leitet Kaasche für das „Kontaktbüro Wölfe in Sachsen“ Exkursionen auf den Spuren der achtzehn dort lebenden Wolfsrudel. Wer wie er morgens, tags oder abends dem Wolf begegnen will, verbringt viel Zeit mit Warten und so stieg der Referent mit einer Reihe faszinierender Natur- und Tierbilder ein, die dem Publikum ein Raunen nach dem anderen entlockten. Den Höhepunkt bildeten einmalige Filmaufnahmen einer Wolfspaarung, einer spielende Gruppe von Wolfsjungen und einem neun Tiere starken Wolfsrudel im gemächlichen Trab durch einen Tagebaugrund. Allein für diese bewegten Bilder der Raubtiere hätte sich das Kommen schon gelohnt.

Der eigentliche Vortrag thematisierte dann die Biologie des Wolfes, seine Historie und Verbreitung, sein Verhältnis zu Hund, Wild, Nutztier und Mensch und seinen gesetzlichen Status. Mit Hilfe von Anschauungsobjekten wie Fell, Schädelskelett und Halsbandsender präsentierte Stephan Kaasche das auf Beobachtungen, Wolfslosungen, Pfotenspuren und DNA-Analysen basierende Wolfsmonitoring in Sachsen und dessen Ergebnisse zu Ausbreitungsfaktor (1,3 pro Jahr), Fressgewohnheiten (50 % Rehwild) und Schadensfällen bei Nutz- und Haustieren (2018: 145 tot, 16 vermisst, 34 verletzt). Dem zweistündigen Vortrag folgte, nach der obligatorischen Überreichung der Ludwigsteiner Burgtasse, eine fast 60minütige Diskussion zum Verhalten bei einer Wolfsbegegnung und zu den Steuerungsmöglichkeiten der Wolfspopulation durch Politik und Naturschutz. Zum Abschluss, der Saal blieb bis zum Ende voll, gab es Wolfsheulen vom Band und den Tipp, dass Interessierte unter wolfswandern.de weitere Informationen über Stephan Kaasches Arbeit einsehen können.

15.01.2019 Bildung Termine